Aus dem Alltag von Dr. Ing. Ferdinand Huber ,
beeidigter Regierungssachverständiger

Private Beweissicherung und Feststellungen zu den Ursachen
eines ausgedehnten Wasserschadens
im Kellergeschoss des Anwesens Frxxxxxxstraße xx, Langxxxxxx

Auftragserteilung
Im April 2003 hat der Sachverständige erneut die Ermittlung der Schadensursache von Wasserschäden im Kellergeschoß des Anwesens der Familie Nxxxxxx und die private Beweissicherung übernommen, nachdem dies bereits im Herbst 2002 der Fall war.
Im Vorfeld der Beauftragung des Sachverständigen waren bereits die Stadtwerke sowie Fachfirmen mit Fachingenieure umfänglich tätig, um die Schadensursache zu ermitteln. Trotz mehrerer Anläufe und verschiedener Untersuchungsmethoden konnte die Ursache und damit die zentrale Schadensstelle nicht ermittelt werden.

Aufgabenstellung
Es sollte die Ursache für den nunmehr sehr umfangreichen Wasserschaden im Kellergeschoss des Anwesens Frxxxxxxstraße xx, Langxxxxxx festgestellt werden. Die Schadensursache sollte abgestellt und erste Gedanken zum Sanierungsumfang geäußert werden.

Schadensermittlung
Im Herbst 2002 war der Sachverständige bereits von Herrn Nxxxxxx gebeten worden, sich einen Wasserschaden im Keller anzusehen. Damals waren die Auswirkungen des über die Bodenplatte eindringenden Wassers noch relativ gering ( ca. 10-15 cm aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk).

Umfeldermittlungen ergaben damals, dass auf dem Nachbargrundstück die Frischwasser-Grundstückszuleitung zum Anwesen Nxxxxxx gebrochen war und damit erhebliche Wassermengen mit einem Druck von ca. 8 bar im Erdreich verteilt wurden. Der Schaden wurde sehr spät entdeckt, somit war auch das Anwesen der Familie Nxxxxxx betroffen.

Nicht lange darauf wurde festgestellt, dass auf dem anderen Nachbargrundstück (Familie Sxxxxx) ebenfalls die Frischwasser-Grundstückszuleitung zum Anwesen Nxxxxxx gebrochen war und dies der Grund war, warum die aufsteigende Wassermenge im Keller der Familie Nxxxxxx nicht zurück ging, obwohl andauernd ein gemieteter Kondensationstrockner im Einsatz war.

Im Frühjahr 2003 wurde der Wasseranfall im Keller immer umfangreicher. Dies hatte zur Folge, dass das Mauerwerk inzwischen dauerhaft auf 60 bis 70 cm OFF geschädigt war und bei einer Estrichöffnung Wasser darunter festgestellt wurde. Die Feuchtigkeit im Keller führte nunmehr zu dauerhaften Beschädigung der Isolierung und des im Kellerbereich eingebrachten Hausrates (Möbel, Einrichtungsgegenstände, etc.).

Bei einer erneuten Umfeldermittlungen wurde angenommen, dass nunmehr auf dem Grundstück der Familie Nxxxxxx die Frischwasser-Grundstückszuleitung gebrochen sei, nachdem dies bereits bei den Nachbargrundstücken der Fall war.

Das Aufgraben an mehreren Stellen der Frischwasser-Grundstückszuleitung ergab jedoch kein Schadensbild.

Daher wurde einige Zeit zugewartet und zwischenzeitlich massiv mit dem Kondensationstrockner der Keller entfeuchtet.

Nachdem jedoch der Wasseranfall nicht zurückging, wurden im April 2003 sämtliche andere Möglichkeiten eines Lecks untersucht. Dies waren die Frischwasser- und Abwasserleitungen im Haus und die Abwasserleitung im Grundstück zum öffentlichen Kanal. Das Anwesen verfügt über ein Abwasser-Mischsystem. Dabei wird Regenwasser und Fäkalwasser über das gleiche Rohrsystem entsorgt.

Als erstes wurde das Regen- und Fäkal-Abwassersystem überprüft. Bei dem ersten Versuch der Überprüfung wurde festgestellt, dass niemand wußte, wo der Revisionsschacht des Mischsystems ist. Erst nach mehrmaliger Suche und Probegrabungen, durch die Unterstützung von Suchfirmen mit Videokameras (Hausseite) wurde der Revsionsschacht bzw. der Revisionsdeckel auf dem Nachbargrundstück unter einer größeren Erdschicht gefunden.

Nach dem Öffnen des Revisionsschachtes wurde festgestellt, dass dieser bis fast 1 Meter unter die Oberkante des Geländes vollgelaufen (bzw. ca. 2 Meter aufgestaut) war. Die herbeigerufene Kanalreinigungsfirma pumpte den Schacht leer und spülte die Rohre bis zum öffentlichen Kanal. Dabei wurde festgestellt, dass im Revisionsschacht und in den Abwasser-Grundleitungen erhebliche Mengen von Kies eingetragen waren. Dies konnte man sich im ersten Moment nicht erklären.

Nach einiger Zeit wurde vom Sachverständigen der Revisionsschacht und sowohl die Regen- als auch die Fäkal-Abwasser-Grundleitungen erneut überprüft und mit einer Videokammera befahren. Hierbei wurde ein erneuter Kieseintrag festgestellt. Die Ursachen konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht benannt werden.

Bei mehreren Ortsterminen wurde vom Sachverständigen eine "Rasterfandungs-Checkliste" erstellt, um die eigentliche Fehlerquelle endlich zu finden, nachdem der Wasseranfall im Keller nicht zurückging und zwischenzeitlich erheblicher fauliger Geruch aufkam.

Dazu wurden nunmehr sämtliche Frischwasserleitungen im Haus mit Druckprüfungen und Sichtkontrolle und Abwasserleitungen mit Sichtkontrolle überprüft. Die Abwasser-Grundleitungen und sämtliche Abzweige bzw. Zuleitungen wurden nach einer erneuten Feinreinigung mit einer Videokamera befahren.

Zudem wurde die Fäkal-Abwasser-Grundleitung in der Nähe des Hauseinganges bis auf ca. 1 Meter unter Kellersohle freigegraben. Alle Grabarbeiten mußten von den Handwerkern mit der Hand vorgenommen werden, da auch Mini-Bagger an die Grabungsstellen nicht heranfahren konnten und zudem weitere Versorgungsleitungen vermutet wurden.

Nach dem Freigraben der Fäkal-Abwasser-Grundleitung in der Nähe des Hauseinganges bis unter Kellersohle wurde ein dauerhafter Wasseranfall über die auf der Kellersohle verlegte Drainage festgestellt. Die Drainage wurde daraufhin geöffnet und vom Sachverständigen mit Hilfe der anwesenden Firma gespült. Dabei wurde aus der Drainageleitung ein stark nach Fäkalien riechender Eintrag ausgespült.

Damit ergab sich die Situation, dass nicht nur mehr Frischwasser und Regenwasser als Überschwennungsursache im Spiel war, sondern auch Fäkalabwasser. Die Ursache dafür war jedoch noch nicht ersichtlich.

Nachdem die Videoaufzeichnungen der Abwasser-Grundleitungen kein Schadensbild zeigten, wurden vom Sachverständigen Rückstauversuche in den Regenwasser-Grundleitungen und den Fäkal-Abwasser-Grundleitungen mit gefärbten Wasser vorgenommen. Nachdem der Wasseranfall auch vom Nachbargrundstück, dass am gleichen Revisionsschacht angeschlossen war, kommen konnte, wurden auch dessen Regen- und Fäkal-Abwasser-Grundleitungen mit untersucht.

Die ersten Rückstauversuche brachten kein eindeutiges Ergebnis. Daraufhin wurde ein Spezialgerät besorgt, um eine größere Rückstauebene bis zum EG-Niveau erreichen zukönnen.

Bei diesem erneuten Ortstermin konnte nunmehr vom Revisionsschacht aus ein Rückstau auf der Abwasser-Grundleitung der Familie Nxxxxxx bis in die EG-Ebene erreicht und über längere Zeit gehalten werden.

Bei den erneuten Rückstau-Versuchen bei Familie Nxxxxxx floß nach ca. einer halben Stunde in die am Hauseingang angelegte Test-Grube gefärbtes Wasser von der linken Seite aus der (angeschnittenen) Drainage. Die außerhalb des Gebäudes liegende Abwasser-Grundleitung selbst blieb von außen trocken.

Damit war für den Sachverständigen der begründete Verdacht gegeben, dass die Abwasser-Grundleitung auf der linken Seite weiter entfernt von der Test-Grube, also im Bereich des Übergangs der Abwasserleitung vom Keller in das Erdreich an der linken Hausecke (damit auf der Rückseite des Hauses) ein Leck aufweisen mußte.

Nachdem jedoch der Übergang der Abwasserleitung in das Erdreich an der linken Hausecke vollständig unter dem großflächig betonierten Hauseingang liegt, musste eine umfangreiche Seitengrabung vorgenommen werden. Diese war sehr aufwendig, da kein Bagger zu Hilfe genommen werden konnte und unter eine große Betonplatte gegraben werden musste.

Nach dem Freilegen des Übergangs der Abwasserleitung in das Erdreich war schnell ersichtlich, dass die DN125-Abwasser-Grundleitung bereits im Mauerwerk umfangreich gebrochen war.

Nunmehr konnte die Ursachen-Kette festgestellt werden.

Um die Schadensstelle reparieren lassen zu können, musste umfangreicher aufgegraben und die Keller-Außenwand aufgeschlagen werden.

Die Abwasserleitung wurde zwischenzeitlich durch ein Handwerksunternehmen repariert.

Die Sanierung der Kellerräume und des Estrichs stehen noch aus. Der Wasseranfall ist inzwischen zurückgegangen.

Dass diese umfangreichen Untersuchungen und Tests sehr zeitaufwendig und arbeitsintensiv waren, ist nachvollziehbar. Der Schadenshergang ist komplex. Die Arbeitsschritte wurden an markanten Stellen auch per Bild dokumentiert.

Kosten
Von Seiten des Sachverständigen werden für die einzelnen Phasen folgende Kosten angenommen, derzeit brutto ca., für: Wiederbeschaffung Hausrat xxxx,00 EUR Miete Kondensationstrockner xxxx,00 EUR Sperrmüll-Entsorgung xxxx,00 EUR beteiligte Firmen (Grabungsarbeiten, Video, etc.) xxxx,00 EUR Sachverständiger xxxx,00 EUR Installateur Grundleitung xxxx,00 EUR Maurer Außenwand xxxx,00 EUR Kellerwandsanierung (Estrich, Maurer, etc.) xxxxx,00 EUR Sanierungs-Nebenkosten (Bauüberwachung, etc.) xxxx,00 EUR

Geschätzte Gesamtkosten nach derzeitigem Kenntnisstand: xx.xxx,00 EUR

Zusammenfassung:
Auf der Basis der privaten Beweissicherung konnte das umfangreiche Schadensbild ermittelt und die verschiedenen Verkettungen festgestellt werden. Der Schaden muß als sehr umfangreich bezeichnet werden.

E1
Im Herbst 2002 wurde der erste Wasserschaden im Keller der Familie Nxxxxxx aufgrund einer gebrochenen Frischwasser-Grundstückszuleitung zum Anwesen Nxxxxxx auf dem Nachbargrundstück verursacht.

E2
Kurz darauf wurde festgestellt, dass die Frischwasser-Grundstückszuleitung zum Anwesen Nxxxxxx auch auf dem anderem Nachbargrundstück gebrochen war. Dies war der Grund warum der Wasseranfall im Keller der Familie Nxxxxxx trotz massiver Kondensationstrocknung nicht zurückging.

E3
Mitte 2003 wurde durch die umfangreichen Schadensanalyse des Sachverständigen festgestellt, dass auch die DN125-Abwasser-Grundleitung im Kellermauerwerk bereits gebrochen war. Dies führte zu Fäkalien-Abwasseranfall auf der Kellersohle.

Gesamtergebnis
Durch einen ersten Wasserschaden im Herbst 2002 wurde der Keller der Familie Nxxxxxx geschädigt. Kurz darauf wurde der Keller durch einen zweiten Wasserschaden betroffen.

Der zweite Wasserschaden auf dem Nachbargrundstück Sxxxxx hatte offensichtlich zur Folge, dass in den unmittelbar benachbarten Abwasser-Revisionsschacht über unbestimmte Zeit Drainagekies in größere Mengen eingetragen wurde. Damit verstopfte das Abwassersystem vor den öffentlichen Kanal. Dies hatte wiederum zur Folge, dass es bei Nxxxxxx und Sxxxxx zu Rückstaus bis auf Hausanschlußebene gekommen ist.

Die DN125-KG-Abwasser-Grundleitung hielt dem enormen Druck durch das Gewicht des Rückstaus nicht stand und brach im Kellermauerwerk ab. Damit war eine weitere Leckage gegeben, so dass das Abwasser sich am Hausanschluss in großen Mengen ins Erdreich ergoss, diesen Bereich über die Drainage unterspülte, somit die Rohrverbindung noch weiter aufging und letztendlich den größeren und durch das Fäkalwasser schädlicheren Wassereintrag im Keller des Anwesens Nxxxxxx verursachte.

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Schlussbemerkung
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Die Gesamtkosten für das Auffinden der Ursachen und der Schadensstellen und die notwendige Sanierung sind erheblich und werden mit ca. xx.xxx,00 EURO angegeben.
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gez.
Dr. Ing. Ferdinand Huber
beeidigter Regierungssachverständiger


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