Falsch eingesetzt!

Duschkabinen am rollstuhlgerechten Duschplatz?!

Duschen ist eine ganz private und intime Angelegenheit, meinen Sie? Deshalb muß eine Duschkabine her und sei sie noch so klein! Solange Sie in der glücklichen Lage sind, alles ganz allein und eventuell auch mit den herrlichsten Verrenkungen bewältigen zu können, müssen wir Ihnen derzeit vollkommen recht geben.

Jung, dynamisch und im Vollbesitz Ihrer Kräfte kommen Sie mit dem momentanen Marktangebot der Duschkabinenbranche "voll gut" zurecht.

Aber ... haben Sie schon daran gedacht, was ist wenn Sie älter werden, oder der Pistenrowdy vom letzten Schiurlaub Sie doch erwischt hätte? Beinbruch oder mehr, Gips, Krankenhaus, Rehaklinik usw. ?! Jetzt ist das Duschen nicht mehr so einfach. Wenn die freundliche Helferin auf der Station nicht in Regenmantel und Gummistiefeln anrückt, wird sie ziemlich naß, in einer hübschen kleinen Duschkabine setzt sie sich am besten auf Ihren Schoß, denn mehr Platz ist nicht, wenn sie die Tür hinter sich zumacht, und wenn sie die Tür nicht zumacht, dann frieren Sie!

Und so geht es täglich vielen, vielen Menschen, die auf ständige oder vorübergehende Hilfe beim Duschen angewiesen sind. Zum einen braucht ein Pflegender ungehinderten Zugang, zum anderen möchte der Hilfebedürftige zumindest einen Rest an Intimsphäre und nicht ganz auf dem Präsentierteller sitzen, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass es noch sowas wie Verdunstungskälte gibt.

Um dieses Problem zu lösen, werden in der Praxis oft gutgemeinte Duschvorhänge oder extragroße Duschkabinen angebracht. Diese sind bei der Pflege jedoch eher hinderlich, als dass sie ihren Zweck erfüllen. Eine Duschkabine mit den rollstuhlgerechten Abmessungen von 150 x 150 cm ist zwar groß genug für eine sichere und menschenwürdige Pflege und Hilfestellung, jedoch kann der Pflegende nicht die Tür hinter sich zumachen (die Gründe dafür dürften jedem klar sein). Wenn die Tür dagegen offen bleibt, kann man sich die teure Abtrennung gleich sparen. Von einem weitgehend selbständigen Rollstuhlfahrer kann eine derartige Kabine ebenfalls nicht bestimmungsgemäß genutzt werden, da er nach Beendigung des Duschvorgangs nicht mehr an seinen Rollstuhl herankommt. (Dieser wurde vor Schließen der Kabinentür nach draussen geschubst.) Ein Duschvorhang erfüllt seinen eigentlichen Zweck auch nicht viel besser.

Der Pferdefuß an der ganzen Sache ist jedoch, dass es keine optimale Lösung gibt, da die Duschkabinenbranche wohl den Pistenrowdies immer ausgekommen ist und sich deshalb auf ihren Lorbeeren ausruht. Es sind einige Lösungen auf dem Markt, die gute Ansätze zeigen, diese kommen allerdings aus der REHA-Branche. Die echten Perlen aber liegen wohl noch immer auf dem Grund des Meeres, sprich in den Schubläden der Entwickler, da sich niemand die Mühe macht danach zu tauchen.

Ganz gemäß dem Motto "Die anderen machen nichts, da brauchen wir auch nichts zu machen".


Dipl. oec. troph. Manuela Huber


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