Urteil des Amtsgerichts Düsseldorf, Sitzbreite

Kommentar zu Gerichtsurteilen von Dr. Ing. Ferdinand Huber ,
beeidigter Sachverständiger für das Fachgebiet Bau und Ausstattung
barrierefreier und rollstuhlgerechter Gebäude
Erding/München, Mai 2002

Armlehnen zählen nicht zur Sitzbreite

Das Amtsgericht Düsseldorf hat einem Flugreisenden Schadensersatz (Reisepreisminderung um ein Drittel des Aufpreises) zugestanden, nachdem die Sitzbreite im Flugzeug nicht der im Prospekt angebenen Breite entsprach.

Im Prospekt hatte eine Reisegesellschaft für eine gehobene Flug-Klasse u. a. mit einer komfortableren Sitzbreite von 63,5 cm geworben. Tatsächlich betrug die Breite der Sitzfläche nur ca. 48 cm. Die Reisegesellschaft vertrat die Auffassung, die breiten Armlehnen seien zur Sitzfläche hinzuzuzählen. Dieser Auffassung widersprach das Gericht und wertete diese Abweichung von den Katalog- bzw. Angebotsangaben als Reisemangel. Für den Sitzkomfort sei einzig allein die tatsächliche Sitzbreite ausschlaggebend, zu der die Breite der Armlehnen nicht hinzugezählt werden darf.

Kommentar:

Damit hat das Gericht die Angaben in einem Prospekt oder in einem Angebot als verbindliche Leistungsmerkmale für die erworbene Dienstleistung (bzw. das Produkt) zugrundegelegt und eine Abweichung davon als Mangel anerkannt.

Für den Reha- und Wellness-Bereich sind Sitzflächen auch entscheidend für den Komfort und Sicherheit. Demzufolge ist auch hier davon auszugehen, dass die in den Herstellerunterlagen gemachten Maßangaben sich auf die tatsächlich nutzbaren Flächen bzw. Bereiche beziehen müssen. Dies ist bisher nicht immer der Fall gewesen.

Dr. Ing. Ferdinand Huber
beeidigter Regierungssachverständiger

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